Die Basaltemperaturkurve: ein nützliches Hilfsmittel bei Kinderwunsch?

Sie haben es vielleicht selber schon erlebt: Paaren, die ihren Kinderwunsch erstmals zum Frauenarzt tragen, wird häufig zunächst empfohlen, die Methode der Basaltemperaturkurve anzuwenden. Doch was genau ist das und wie sinnvoll ist ihre Anwendung? Unsere professionelle Einschätzung lesen Sie hier.

Bei der Basaltemperaturkurve handelt es sich um eine Methode zur Ermittlung der fruchtbaren Tage im Zyklus der Frau. Zu diesem Zweck wird jeden Morgen direkt nach dem Aufwachen die Körpertemperatur – die umgangssprachlich so genannte Basaltemperatur – gemessen und notiert. Die Methode fußt auf der natürlichen Temperaturschwankung im Zyklus: Nach dem Eisprung steigt die Basaltemperatur leicht an und fällt kurz vor Beginn des neuen Zyklus wieder geringfügig ab. In Kombination mit zeitlich abgestimmtem Geschlechtsverkehr soll so die Chance für eine Befruchtung erhöht werden.

Früher gang und gäbe: Ist die Basaltemperaturkurve heute noch zeitgemäß?

Auch wenn Ihnen Freundinnen begeistert von der Methode erzählen, hat sie doch verschiedene Nachteile. Zunächst ist es wichtig zu beachten, dass die Körpertemperatur eben erst nach dem Eisprung ansteigt, wenn der Verkehr idealerweise schon stattgefunden haben sollte. Zudem erfordert die monatelang exakte Messung und Datierung der Temperatur viel Disziplin und Durchhaltevermögen. Dazu kommt, dass bei vielen Paaren die Basaltemperaturkurve schnell zum Liebesfahrplan verkommt. Ein Sexualleben nach striktem Plan ist wenig prickelnd und steigert meist noch den ohnehin bestehenden Erwartungsdruck des Paares – die Temperatur stimmt, also muss es doch dieses Mal klappen! Dass es dann eben doch nicht immer auf Anhieb klappt, liegt auch daran, dass die Methode keinerlei Auskunft über den aktuellen Progesteronspiegel gibt. Die Temperaturerhöhung sagt nämlich noch nichts über den tatsächlichen Prrogesteronwert im Blut aus. Und in Sachen Einnistungschancen und mögliche daraus resultierende Frühabortrate macht es einen großen Unterschied, ob der Wert zum Zeitpunkt der Einnistung 5 oder bspw. 20 ng/ml beträgt! Der optimale Progesterongehalt im Blut ist also entscheidend für die Einnistung einer befruchteten Eizelle. Zusätzlich lässt sich mit den modernen Elisa-Verfahren, wie wir sie anwenden, anhand eines Hormonwertes bereits nach 30 Minuten feststellen, was wann unternommen werden muss, damit die Chancen für eine erfolgreiche Einnistung gegebenenfalls im nächsten Zyklus gesteigert werden können, wenn der aktuelle Wert nicht passen sollte oder eine Schwangerschaft nicht eingetreten ist. So könnte die Folge sein, überhaupt erstmal mit Medikamenten anzufangen, ihre Dosis zu steigern, auf andere Präparate umzustellen oder die zweite Zyklushälfte noch mit natürlichem Progesteron zusätzlich zu unterstützen. Und diese Feinheiten gibt die Basaltemperaturkurve einfach nicht her!

Fazit: Im 21. Jahrhundert ist die Basaltemperaturkurve ein Unding, weil täglich gemessen werden muss, bei schwankenden Temperaturerhöhungen das Sexualleben darunter leiden wird und die Ergebnisse aus dem Blut schneller zu ermitteln und klinisch umzusetzen sind. Schade um so mehr, dass der "normale" Frauenarzt aber auch andere Zentren Letzterem im nicht stimulierten oder stimulierten Zyklus oder bei Inseminationen zu wenig Aufmerksamkeit schenken.

Ob Hormonhaushalt oder Ernährung bei Kinderwunsch – wir haben Antworten auf Ihre Fragen. Sprechen Sie uns an!